Heil heraus aus Buckow?

2021 feiert Buckow feiert 200 Jahre Kneipp. Eine launische Einstimmung in das große Jubiläumsjahr von Nicolas Flessa

Im Jahr 2019 feierte unser schönes Land Brandenburg den 200. Geburtstag von Theodor Fontane. Hätte ich nicht schon vor Jahren seine spitzbübischen Bemerkungen über unser schönes Buckow gelesen, ich wäre versucht gewesen, den Sohn eines Apothekers nicht für einen Dichter, sondern für ein medizinisches Wunder zu halten: 200 Jahre – das muss dem alten Herrn erst einmal jemand nachmachen! Und warum hat man seit dem Ende der Kaiserzeit eigentlich so wenig Neues von ihm gehört? 

Wenn wir nun, im soeben angebrochenen neuen Jahr, den 200. Geburtstag von Sebastian Kneipp begehen, so muss ich doch mit einer Enttäuschung aufwarten: Auch dieser ehrwürdige Mann, obwohl ein Meister der gesunden Lebensführung und mit besten Kontakten zum lieben Gott gesegnet, weilt nicht mehr unter uns. Und so müssen wir, wie schon im Fall Fontane, die Party ohne das Geburtstagskind schmeißen – was unserer Feierlaune, zumindest in Buckow, sicher keinen Abbruch tut.

Was hätte Kneipp wohl über unseren kleinen Kurort gesagt, den der eingangs zitierte Brandenburger einmal wie folgt charakterisierte: „Für schwache Achsen ist Buckow dasselbe, was Wien für schwache Lungen ist – keiner kommt heil heraus.“ Sicher hätte er Herrn Fontane dezent an das berühmte Zitat erinnert, in Buckow gehe die Lunge auf Samt. Ob Marketing-Gag oder authentische Erfahrung: Der gute Ruf unserer kleinen Stadt in Sachen Gesundheit führte schon damals zu einem „Run“ auf die Märkische Schweiz, als der Erfinder der Kneippkuren noch vor ausverkauften Hallen in der nahen Reichshauptstadt sprach.

In Buckow ist Kneipp nie gewesen, und ich traue mich zu sagen: Schade für ihn, da hat er was verpasst. Dass wir trotzdem eine so enge Verbindung zum Wirken des bayerischen Heilers haben, dass sogar unser Heimatverein den Namen „Kneipp“ im Titel führt, ist dennoch kein Zufall: Seit über einem Vierteljahrhundert stellen die fünf Säulen der Kneippschen Lehre auch einen elementaren Bestandteil unserer Tradition als Ort des Kurtourismus und der gesunden Lebensführung dar. 

Wie das mit der bekannten Lebenslust der Buckower in Verbindung zu bringen ist, die schon ein bei Fontane zitierter Bänkelsänger wie folgt besingt: „Er leerte das aufgehobene Glas / Mit einem einzigen Zuge / (Seine blinzelnden Augen tranken zugleich / Aus dem stehengebliebenen Kruge)“? Vielleicht ist es ja gerade die Verbindung aus dem Wissen um die heilende Kraft des Wassers und die heilsame Kraft des Hopfens, die unseren Ort seit so vielen Jahrzehnten zu einer Heilstätte der Seele macht. 

Und seien wir ehrlich: Wer will schon „heil heraus“, wenn er dafür in Buckow bleiben kann?

Titelbild: Nicolas Flessa

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